Chronik Fachberatung

Die Fachberatung ist für die kleingärtnerischen Organisationen eine wichtige, fundamentale Einrichtung von herausragender Bedeutung. Diese Erkenntnis hat sich heute allgemein durchgesetzt und dementsprechend wird der Fachberatung inzwischen auch der ihr gebührende Stellenwert eingeräumt. Das war nicht immer so. Mancher Stadt-, Bezirks-, oder Kreisverband hat sich viele Jahre geziert seinen Fachberater als vollwertiges Mitglied in den geschäftsführenden Vorstand zu integrieren.

Leverkusen hat diesbezüglich sicher eine Ausnahmestellung eingenommen. Bereits bei der Stadtverbandsgründung im März 1952 wurde der erste Fachberater, Wilhelm Haferkamp aus Küppersteg, im Gründungsprotokoll erwähnt. Im November 1954 übernahm Gartenfreund Josef Comes das Amt des Verbandsfachberaters. Leider wissen wir nicht wie lange er dieses Amt bekleidete. Ab April 1966 war dann Clemens Neuss offiziell als Fachberater im Stadtverband. Als Mitarbeiter des damaligen Gartenamtes der Kreisstadt Opladen wurde er von seiner Dienststelle mit der Betreuung der Leverkusener Kleingärtnervereine beauftragt. Zu seinen Aufgaben gehörte u.a. die Genehmigung der Laubenneu- und  -anbauten.

Was die Fachberatung in damaliger Zeit an sonstigen Aktivitäten an den Tag legte und welche Impulse durch sie verursacht wurde, ist heute leider nicht mehr nachvollziehbar und kann deswegen hier nicht näher erläutert werden.
Im Januar 1975 übernahm Rudy Schörmann, von Beruf Obstbautechniker, das Amt des Fachberaters. Wie schon sein Vorgänger war auch er Mitarbeiter des Grünflächenamtes der Stadt Leverkusen. Für ihn war es ein großer Vorteil, dass er für die Verbandstätigkeit seitens seiner Dienststelle einen, wenn auch geringen Teil seiner Arbeitszeit zugunsten des Stadtverbandes nutzen durfte.

Für die Leverkusener Kleingärtnervereine wiederum war dieses ein glücklicher Umstand von dem sie sehr profitierten, zudem Rudy Schörmann weit über die von seiner Dienststelle zur Verfügung gestellte Zeit hinaus, zugunsten der Kleingärtnervereine tätig war. Er übte sein Amt mit viel Engagement aus. Über die Routinearbeit hinaus hielt er in den Vereinen Vorträge und demonstrierte den Obstbaumschnitt. Was ihn besonders ärgerte war, dass zu seinen Veranstaltung nur relativ wenig Teilnehmer bzw. Gartenfreunde kamen, und dass diese zudem fast ausschließlich aus dem Verein kamen, in denen die Veranstaltung gerade stattfand. Bei seinen Überlegungen wie man dieses Übel ändern könne kam ihm eine Idee, die zu dieser Zeit sicher recht ungewöhnlich war.

Warum, so dachte er sich, soll ich Energie und Zeit darauf verwenden wie ein Wanderprediger durch die Vereine zu ziehen, wenn sich die breite Mehrheit der Kleingärtner so wenig angesprochen fühlt? Da macht es doch viel mehr Sinn aus jedem Verein einzelne, an der Sache interessierte Gartenfreunde zu schulen!

Auf Grund dieser Überlegung forderte Rudy Schörmann die Vereine im April 1982 auf, innerhalb ihrer Mitgliedschaft nach Kleingärtnern zu suchen die einen Ausbildungslehrgang als Gartenwart belegen wollten. Am 9. Dezember 1982 war es dann so weit. Im Vereinshaus der Kleingartenanlage „Feierabend“ konnte Rudy Schörmann 11 Gartenfreunde aus sechs Vereinen zum ersten Informationsabend zu dem beginnenden Lehrgang begrüßen. Ein Jahr lang dauerte schließlich dieser Lehrgang. Über 100 Stunden Unterricht in Theorie und Praxis absolvierten die Kursteilnehmer und erlangten dabei umfangreiche Kenntnisse in Botanik, Bodenkunde, Düngerlehre, Pflanzenschutz und anderen Bereichen. Dabei kamen auch praktische Unterweisungen und Übungen nicht zu kurz. Besonders der Obstbaumschnitt, das Veredeln von Obstgehölzen, Pflanzenvermehrung, Aussaat und anderes mehr wurden erlernt. Dass die Teilnehmer das Erlernte auch beherrschten, mussten sie durch eine kleine Prüfung belegen.


Elf Gartenfreunde erhielten durch SV-Vors. Manfred Hantusch (+) und Rudy Schörmann (rechts aussen) ihre Auszeichnungen

Am 12. Januar 1984 erhielten dann alle elf Gartenfreunde im Rahmen einer kleinen Feierstunde eine Urkunde mit Teilnahmebescheinigung, die sie als „Kleingarten-Fachberater“ auswies.

Der gute Erfolg dieses Kursus und das positive Echo darauf in den Vereinen, veranlasste Rudy Schörmann im Januar 1985 einen zweiten Durchgang zu starten. Nach einem Zeitraum von 1 ½  Jahren und ca. 135 Unterrichtsstunden erhielten weitere Kleingärtner ihre Abschlussurkunde.

Im Januar 1989 übergab Rudy Schörmann aus Gesundheitsgründen sein Amt an Klaus-Dieter Kerpa. Als damaliger Vereinsfachberater der KGA Schöne Aussicht übernahm er ein schweres Erbe, um die von Rudy Schörmann ins Leben gerufene Fachberatung weiterzuführen bzw. auszubauen.
Vorrangiges Ziel war und ist die auf Stadtverbandsebene ausgebildeten Fachberater weiterhin regelmäßig zur Weiterbildung und Information zusammenzuziehen.
Veranstaltungen welche ein und durch wechselnde, breitgefächerte Themen das ganze Spektrum des Gartenbaus aufzeigte, erfreute sich zunehmender Beliebtheit. Dabei lag das Hauptaugenmerk besonders auf dem ökologischen Gärtnern. Dieses Thema wurde im Verlauf der Jahre zum Schwerpunkt der Fachberatung.
Der Erfolg ist heute in allen Kleingartenanlagen unserer Stadt sichtbar.

Unzählige Totholzhecken, Trockenmauern, Nisthilfen für Wildbienen und sonstige Hilfen für Nützlinge sind auf Anregung dieser Schulungen durch die Vereinsfachberater entstanden. Überwiegend mit Hinweisschildern versehen, dienen diese den Besuchern auch als Lernobjekte.
Doch nicht nur die Ausbildung sondern auch die Weiterbildung lag und liegt dem Verband am Herzen. Daher wurden und werden Kurse, wie z. B. zum Integrierten Pflanzenschutz,  Schnitt der Obstgehölze, angeboten.
Aber über die stadtverbandsinternen Schulungen hinaus wurde und wird besonderer Wert auf  die „offizielle Schulung“ der Leverkusener Fachberater durch den Landesverband Rheinland gelegt.
So nahmen bereits im Dezember 1989 neun Leverkusener Vereinsfachberater zusammen mit dem damaligen Stadtverbandsfachberater Klaus-Dieter Kerpa geschlossen an einem Wochenkursus teil und bekamen anschließend ihr Zertifikat über den Sachkundenachweis im Pflanzenschutz.

Leverkusener Fachberater vor der ehemaligen Landesschule in Essen

So wurden und werden seit 1989 viele Gartenfreunde/innen zu Fachberater/innen ausgebildet und leistetem bzw. leisten seit dem in den Vereinen vorbildliche Arbeit in der Fachberatung.

Auch zukünftig wird der Stadtverband Leverkusen die Fachberatung entsprechend ihrer Bedeutung fördern und noch weiter ausbauen, um

  • noch mehr ökologisches Verständnis bei den Kleingärtnern zu erzielen,
  • schonenden Umgang mit den Ressourcen der Natur zu vermitteln,
  • eine naturgemäße, umweltschonende Gartenbewirtschaftung in den Gärten zu erreichen,
  • Förderung von Nützlingen in den Gärten, als natürliche Gegenspieler der Schädlinge,
  • Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz und leicht wasserlösliche Düngesalze.

Das Amt des Verbandsfachberaters nahm
von 1989 bis 2007 Klaus-Dieter Kerpa
von 2007 bis 2013 Thomas Korioth (heute stellvertretender Vorsitzender des Verbandes)
von 2013 bis ….. Reiner Austel
ein.